Vor 60 Jahren                                    von Rudi Fischer


Sechzig Jahre – in der zweiten Generation,
die Zeit ist noch jung, doch wer erinnert sich schon.
Wer weiß noch was im Jahre 1950 alles war,
Papst Pius der Zwölfte verkündet das Heilige Jahr.
Im Zeitenrythmus man ein solches kennt,
Theodor Heuss war damals Bundespräsident.
Adenauer erlangte in der Welt das Wiederansehen,
der Kriegsgefangenen wegen, wollte er nach Rußland gehen.
An der Saar drängte man auf ein Volksbegehren,
das Land wollte zurück nach Deutschland kehren.
Der Wirtschaftsaufschwung zeigte sich immer mehr,
nur - zwei Millionen Arbeitslose lasteten schwer.

Doch, die Regierung ließ das Begonnene weiter reifen,
mit einem Zwei-Milliarden-Programm wollten sie unter die Arme greifen.
Es geschah, daß die Ruinen in den Städten allmählich verschwanden,
fünfhunderttausend Volksdeutsche kamen aus östlichen Landen.
Diese Leute fanden bei uns Bleibe und Heim,
doch der Koreakrieg schlug wie eine Bombe ein.
Die Welt begann zu zittern, sie begann zu beben,
zwei Pfennig “Notopfer Berlin“ mußt man aufs Porto kleben.
In der DDR wurde die Volkspolizei militärisch erstellt,
zu der Zeit mahnt die Berliner Friedensglocke die Welt.
Von einer Sowjetbeschwerde an die USA wird berichtet,
weil der Kartoffelkäfer großen Schaden anrichtet.
Auch wir mußten diesen Schädling arg ertragen,
endlich durften die Deutschen wieder mit der Flinte jagen.
Diese Erlaubnis wurde gerne und eifrigst gepflegt,
am Hölzernen Kreuz ein drei Zentner Keiler erlegt.
Bald brauchte man auch keine Lebensmittelmarken mehr,
Motorräder, einzelne Autos und Traktoren rollten im Verkehr.
Das Benzin war billig und für 53 Pfennig zu bestreiten,
im Winterschlußverkauf konnte man sich für 64 Mark voll einkleiden.
1,75 Mark kostete damals der Handwerksstundenlohn,
einen Lehrling bekam man für fünfzig Pfennig schon.
Zu der Zeit entstand auch die Siedlung “Eberau“,
nach Heroldsbach pilgerten Kind, Mann und Frau.

Der Georgiritt zur Senftenbergkapelle - eine alte Gepflogenheit,
machte sich nach einhundert Jahren Stille wieder breit.
Dreimal in der Woche erschien das Volksblatt, der Fränkische Tag nur,
Ende Oktober überzogen dicke Schneemassen unsere Flur.
In Grasmannsdorf der Schulhausneubau mächtig gedeiht,
beim Krankenhaus wurde der “Zweite Abschnitt“ eingeweiht.
An der Ampferbacher Straße wurde das neue Polizeigebäude übergeben
und Anfang 1950, 1485 Einwohner in Burgebrach leben.
Von diesen wiederum 1311 katholisch waren,
174 sich um die protestantische Kirche scharen.
31 Geburten – 20 Eheschließungen hat man registriert,
43 Personen in die Ewigkeit überführt.

Und von all den Leuten, die hier genannt,
waren 420 Heimatvertrieben aus östlichen Land.
Ihr Schicksal war schwer, doch sie lebten sich ein,
1950 - gründeten 21 Männer den Heimatverein.
Und in Erinnerung von all dem was damals geschehen,
wollen wir hoffend in die Zukunft sehen.


(Erstmals vorgetragen zum Festabend “50 Jahre Heimatverein Burgebrach“, am 25. März 2000 im Saal der Brauerei Schwan)